Die Wohnung von Johann Strauss – Wien

Johann Strauss (25.10.1825 bis 03.06.1899), der v.a. als „Walzerkönig“ über alle Grenzen bekannt geworden ist und der uns mit seiner „Schönen Blauen Donau“ jedes Silvester gut ins Neue Jahr schickt, lebte fast ausschließlich in Wien – und das zu einem großen Teil in der Wohnung in 1020 Wien, Praterstraße 54 (Nebenbei besaß er dann später auch noch eine Villa in Hietzing und Ischl und ließ sich in den letzten Jahren ein Palais in der – wie kann es anders sein – heutigen Johann Strauss Gasse im 4. Bezirk errichten, das aber leider im 2. Weltkrieg zerstört wurde.)

Heute ist diese Wohnung natürlich ein Museum – und im Gegensatz zu Mozart – sind hier doch noch einige Möbel und Ausstattungsstücke aus Strauss‘ Zeiten erhalten geblieben. Hier einmal ein bisschen was heutiges und früheres über das Wohnhaus und die Praterstraße 🙂

Gleich beim Eingang der im 1. Stock gelegenen Herrschaftswohnung des sehr hübsch renovierten Hauses, grüßt gleich ein Schild, dass wohl alles sagt (und Richard Wagner wird es wohl gewusst haben 😉 ), bevor man in die Wohnung gelangt. Von den Originalräumlichkeiten ist nur noch ein Teil zu besichtigen (der hintere Teil, der v.a. die Diensträume und die Küche beinhaltet haben, wurde anderweitig vermietet).

Johann Strauss wohnung eingang

Im großen Salon findet man dann auch gleich Johann Strauss‘ Flügel, seine Geige, seine Hausorgel, sein Schreibpult und andere hübsche Kleinode ausgestellt. Besonders zu beachten sind auf jeden Fall die noch original mit Seide bespannten Wände und die Deckenfresken – wenn ihr mal vorbeikommt, schaut auf jeden Fall an die Decke 😉

Im anschließenden Raum geht es dann an die Geschichte und den musikalischen Werdegang von Strauss. Es gibt einen Hintergrund über seine Familiengeschichte und über die berühmtesten Werke und Stationen in seinem Leben. Die ganze Familie Strauss war ja vom Vater über die Söhne eine sehr musikalische und sehr umtriebige Sippe. Der Vater – der bestimmt hatte, dass Johann Beamter wird – verließ die Familie, als Strauss gerade mal 10 oder 11 war. Seine Mutter setzte dann alles daran, mithilfe des Sohnes Rache an ihrem untreuen Gatten zu  nehmen und förderte massiv seine Musikerkarriere.  Ihr Plan ging auf, denn der Sohn wurde alsbald ein harter  Konkurrent für den Vater und überflügelte ihn an Bekanntheit sehr bald und bis heute. Tja, manchmal beschert uns die Eifersucht und der verletzten Stolz einer Frau doch die schönsten Dinge 😉

(Hier sei vor allem die Zeichnung zu beachten. Es ist eine Darstellung des Wiener Opernballs, den Strauss dirigierte. Achtet man auf die Details kann man erkennen, dass das damals doch eine ziemliche wilde Gesellschaft war und nicht so geschniegelt und etepetete wie heute 😉 )

Interessant ist auch  noch die Galerie von Johann Strauss Ehefrauen in diesem  Raum. Nicht gleich sichtbar, etwas in einer Ecke versteckt, gibt es eine schöne Ansammlung von Erinnerungsfotos und -geschichten über Strauss‘ Wohnorte und eben seine Ehefrauen. Ich wusste bis dato nicht, dass es Strauss – noch dazu am Ende des 18. Jahrhunderts – geschafft hat, gleich 3 x zu heiraten. Nun ja, beim letzten Mal hat er auch alle Tricks angewendet 😉

Johann heiratete Jetty im Wiener Stephansdom und man kann sagen, dass Jetty – eine berühmte Wiener Sängerin – seine Lebensfrau war, doch Jetty stirbt 1878 und Johann scheint nicht zu den Männern zu gehören, die allein bleiben können, denn wenige Wochen später heiratete er die Schauspielerin Angelika, oder auch Lilli genannt, in der Karlskirche. Doch diese schnell geschlossenen Ehen funktionieren leider in den wenigsten Fällen und schon 1882 verließ Lilli ihren Mann wegen dem Direktor des Theaters an der Wien. Es wurde zwar eine Scheidung von „Tisch und Bett“ ausgesprochen, aber in Österreich galt damals das katholische Eherecht auch im bürgerlich-rechtlichen Bereich. D.h. Johann war vor dem Gesetz so lange mit Lilli verheiratet, bis diese starb.

Doch da Johann nun mal kein Mann war, der alleine bleiben konnte, hatte er nun ein Problem. Die dritte Frau – Adele – war noch im Jahre 1882 gefunden, aber er konnte sie eben nicht heiraten. Um das doch irgendwie bewerkstelligen zu können, gab Strauss 1886 die österreichische Staatsbürgerschaft auf. Er wurde Staatsbürger des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha und damit Deutscher (!!) Kraft Gesetzes musste nach dem für Deutsche geltenden Eherecht die Ehe mit Angelika (Lilli) nunmehr auch bürgerlich-rechtlich getrennt werden, was Herzog Ernst II. 1887 auch tat: Lilli erteilte auf Anfrage aus Coburg vorab schriftlich ihre Zustimmung zu dieser zivilrechtlichen Scheidung und somit konnte Johann Adele heiraten. Und mir ihr blieb er auch bis zu seinem Tod am 3.6. 1899 verheiratet (Übrigens, Johann starb an einer Lungenentzündung und wurde wenige Tage später als „grandiose Leich“ am  Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.)

Der dritte Raum beherbergt eine ganz andere Kuriosität – nämlich die sichtbaren Merkmale, dass die Zeit um die Jahrhundertwende eine ziemlich spritzige und hämisch-fröhliche Zeit war. In dem Raum rechts neben dem Eingang findet man das Karikaturenkabinett. Und Johann Strauss wurde zu seinem Lebzeiten sehr oft karikiert! Aber seht selbst 😉

(Johann Strauss liebte es übrigens selbst andere Leute zu karikieren und er schätzte diese Art von Humor, Esprit und einer gewissen Leichtigkeit des Lebens 🙂 )

Zu dieser Zeit kam die Fotografie zwar nicht zur Welt, erlebte aber die Entdeckungen, mit der sie  alltagstauglich wurde. Zu meinen schönsten Stücken dieser Ausstellung gehören auf der einen Seite ein Aquarell von Theodor Zasche aus dem Jahr 1892 – aber dazu später – und eine Fotografie von Johann Strauss zusammen mit Johannes Brahms auf der Veranda der Strauss-Villa in Ischl im Jahre 1894. Wer von euch bitte hat gewusst, dass sich Strauss und Brahms nicht nur kannten, sondern auch gegenseitig sehr schätzten? Nach der Historie ist der Hamburger Brahms (der 1897 starb) ein gern gesehener Gast im Hause Strauss gewesen. Brahms war hinsichtlich der Kompositionen von Strauss voll Bewunderung, wie umgekehrt Strauss die Symphonien von Brahms liebte. Johann Strauss hat seinem Freund den Walzer „Seid umschlungen, Millionen“ op. 443 gewidmet. (Warum ich diese Fotografie so mag? Ich kann es nicht genau sagen. Vielleicht weil Strauss auf diesem Foto so entspannt und zufrieden wirkt, oder auch weil ich Strauss und Brahms aber so was von nie miteinander in Verbindung gebracht hätte! Und ich mag diese Veranda. Ich würde auch gerne darauf vereweilen und mich mit den beiden unterhalten 😉 )

Strauss und Bernhard

Zum Abschluss jetzt noch zwei Gustostückerl: zum einen das schon vorher angekündigte Aquarell der oft erbitterten Konkurrenten im Walzergeschäft und zum anderen konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen und Johann an seinem anderen Ehrenplatz zu besuchen, wo er zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten von Wien gehört. Ein wirklich ehrenvoller Künstler, der es weit gebracht hat, unser Schani Strauss 😉

(Natürlich gibt es noch mehr zu sehen, aber es sollen ja auch ein paar Highlights zum Entdecken für eure Besuche übrig bleiben 😉 )

(Auf dem Aquarell sind übrigens von oben nach unten und von links nach rechts zu sehen: Johann Strauss Vater / Josef Lanner / Josef Strauss // Carl Michael Ziehrer / Johann Strauss Sohn / Eduard Strauss // Philipp Fehrbach jun. / Carl Millöcker / Josef Bayer // Johann Schrammel)